Blog · Auswandern, Teil 3
Teil 3 – Der Ernstfall / Fazit
Geschrieben von Stefanie Balkenhol · 3 Minuten Lesezeit
Teil 3
Aber im Kriegsfall würden andere Länder uns doch aufnehmen, oder?
Das meinen wir Deutschen immer, weil wir es so kennen, dass massenweise Kriegsflüchtlinge aufgenommen werden, aber die Aufnahme hängt von der Art und politischen Bewertung des Konflikts, der individuellen Gefährdung und den aktuellen politischen Rahmenbedingungen ab.
Deutsche gelten in der Regel nicht als klassische Asylbewerber, da Deutschland als sicheres Herkunftsland gilt. Im Fall eines bewaffneten Konflikts oder politischer Verfolgung kann individueller Asylschutz beantragt werden.
Mehr Informationen darüber, wie man sich auf den Ernstfall vorbereitet, sind hier zu finden: Krieg in Deutschland – wohin flüchten? – Survivaljunkies.de. Wenn nicht ganz Europa betroffen ist, könnte man auf Nachbarländer wie Schweiz, Österreich und Polen oder andere europäische Länder zurückgreifen. Der Vorteil der Schweiz ist ihre Neutralität, doch ihre geografische Lage macht sie im Ernstfall verwundbar für indirekte Auswirkungen, etwa als strategisches Durchgangsgebiet für Truppenbewegungen, Flüchtlingsströme oder Logistik.
Momentan ist das wahrscheinlichste Szenario aber eines, das die NATO involviert, also sollte man sich auch nach Zufluchtsorten außerhalb des NATO-Gebiets umsehen. Australien oder Neuseeland versprechen Sicherheit und stabile Aufnahmebedingungen und sind laut Forschern auch im Falle eines Atomkrieges die Länder mit den besten Überlebenschancen, da beide geografisch abgelegen sind, keine Atomwaffen besitzen und eine stabile Demokratie mit hoher Eigenversorgung bieten. Aber würden diese Länder uns auch aufnehmen? In Neuseeland wurden im Jahr 2024 nach Angaben der UNHCR 2.255 Asylanträge gestellt, 74 % davon wurden in erster Instanz abgelehnt. Ohne Asylantrag mit glaubhafter Gefährdung, Resettlement durch die UNHCR oder temporäre Schutzprogramme bei internationalen Krisen hat man als Deutscher schlechte Chancen, aufgenommen zu werden.
Eine frühzeitige Auswanderung mit Visum ist deutlich einfacher als eine Flucht im Kriegsfall, doch hier gelten dann wieder die bereits beschriebenen Voraussetzungen. Wer einen Beruf erlernt hat, der auf der sogenannten „Skills Shortage List" steht, hat die Chance auf ein beschleunigtes Visumverfahren. Der Beruf des Übersetzers steht aktuell nicht auf dieser Liste, weshalb diese Option für mich leider entfällt.
Fazit
Auswandern ist ein Privileg – kein einfacher Ausweg
Der Wunsch, Deutschland zu verlassen, ist für viele nachvollziehbar. Doch wer nicht reich ist oder einen sehr gefragten Beruf hat, stößt schnell an Grenzen. Remote-Arbeit und Selbstständigkeit bieten zwar Mobilität, aber keine echte Aufenthaltsoption und selbst in Krisenszenarien bleibt die Tür ins Ausland oft verschlossen.
Auswandern ist kein spontaner Akt, sondern ein strategisches Projekt, das viel Planung, Geduld und oft auch Glück erfordert. Wenn dann die Menschen, die man mitnehmen möchte, nicht offen für Gespräche über das Thema sind, wird es noch schwieriger. Man muss sich nicht nur den eigenen, sondern gleich mehrere Köpfe zerbrechen. Trotzdem bleibe ich dabei, dass es sich in dem Zustand, in dem unser Land sich aktuell befindet, durchaus lohnen kann, sich solche Gedanken zu machen und einmal verschiedene Szenarien durchzuspielen.